Alpsaison

Die Alpsaison, was ist das?

Jeden Sommer ziehen Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde von den Tälern auf die hochgelegenen Weiden im Jura und in den Alpen. Diese sogenannte Sömmerung – die Alpsaison – ist seit dem späten Mittelalter belegt und prägt bis heute das Leben in den Schweizer Berggebieten. Hirtinnen und Hirten, Sennen und Sennerinnen sowie andere auf der Alp tätige Personen betreuen die Tiere, pflegen Weiden, Zäune und Hütten und verarbeiten die Milch zu Käse und anderen Alpprodukten. Feste wie Alpauffahrt und Alpabfahrt, Trachten und Rituale gehören ebenso dazu wie das handwerkliche Wissen und die weitergegebenen Praktiken der Älplerinnen und Älpler.

Hintergrund dieses Systems ist die optimale Nutzung der Futterressourcen von Alp und Tal: Die Tiere nutzen das natürliche Grasland auf der Alp, während auf den Talwiesen Heu und Emd für den Winter gemacht werden. Im Herbst kehren die Tiere mit der Alpabfahrt wieder zurück ins Tal.

Knapp 6’600 Alpbetriebe bewirtschaften auf diese Weise etwa 475’000 Hektaren Sömmerungsgebiet. Das entspricht rund einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz oder elf Prozent der Landesfläche. Das Sömmerungsgebiet wird nur im Sommer bewirtschaftet und liegt im Alpenraum, im Voralpengebiet und im Jurabogen.

Abbildung: Grün eingezeichnet ist das Sömmerungsgebiet der Schweiz. © Bundesamt für Landwirtschaft BLW, 2026.

Jährlich verbringen rund 560’000 Milchkühe und Rinder, 260’000 Schafe und Ziegen sowie 7’000 Pferde den Sommer auf der Alp. Die Älpler und Älplerinnen stellen jährlich insgesamt rund 5’500 Tonnen Alpkäse her.

Die Alpwirtschaft leistet jedoch weit mehr als reine Tierhaltung. Sie pflegt die Landschaft, indem sie das Zuwachsen und Verwalden offener Weideflächen verhindert, schützt vor Erosion und Naturgefahren und erhält wertvolle Lebensräume für die alpine Biodiversität. Zudem prägt sie mit Alpkäse und zahlreichen traditionellen Praktiken das kulinarische und kulturelle Bild der Schweiz und ist ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt in den Berggebieten.

Gleichzeitig steht die Alpwirtschaft vor vielfältigen Herausforderungen. Der Klimawandel mit vermehrten Trockenperioden und Extremwetter, Nutzungskonflikte mit anderen Nutzenden des Sömmerungsgebiets, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, betriebliche Umstellungen auf den Talbetrieben sowie Konflikte mit Grossraubtieren setzen der traditionellen Bewirtschaftung zu.

Wer mit der Alpwirtschaft lebt und arbeitet, weiss daher: Alpwirtschaft ist keine Selbstverständlichkeit, weder heute noch in der Zukunft. Gleichzeitig ist die Alpsaison fest in der Identität der Schweiz verwurzelt, als gelebte Tradition, die es zu bewahren und weiterentwickeln gilt.

Die Alpsaison ist UNESCO-Kulturerbe

Im Jahr 2023 hat die UNESCO die Alpsaison in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Dieser Eintrag verdeutlicht den hohen Stellenwert der Alpsaison für das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben in der Schweiz.

Der Eintrag im immateriellen Kulturerbe der UNESCO verhilft der Alpsaison zu einer verstärkten Sichtbarkeit und öffnet neue Möglichkeiten, um ein Fortbestehen dieser Tradition zu unterstützen. Angesicht ihrer Bedeutung ist es wichtig, dass die Alpsaison als lebendiges und gelebtes Kulturgut bewahrt und weiterentwickelt wird. Dies tun in erster Linie die Älplerinnen und Älpler sowie auch die Alpbestösser und -bestösserinnen, die die Alpen jeden Sommer aufs Neue beleben. Daneben tragen aber auch viele weitere Massnahmen dazu bei, dass die Alpsaison in Wert gesetzt und gestärkt wird. Projekte, welche in direktem Zusammenhang mit der Alpsaison als immaterielles Kulturgut der UNESCO stehen, werden bei den Projekten vorgestellt.

Für Projekte zur Bewahrung von lebendigen Traditionen kann beim BAK einmal jährlich ein Gesuch um Unterstützung gestellt werden.

UNESCO-Welterbe, immaterielles Kulturerbe, Naturerbe – Was ist was?

Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (auf Englisch: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization). Sie fördert die internationale Zusammenarbeit in diesen Bereichen. Jeder Mitgliedstaat bildet eine Nationalkommission, für die Schweiz ist das die Schweizerische UNESCO-Kommission.

Die UNESCO setzt sich für den Schutz und die Bewahrung von wichtigen Kulturgütern und Naturlandschaften ein, dem UNESCO-Kultur- und -Naturerbe. Dieses besteht aus verschiedenen Elementen:

– UNESCO-Welterbe:
Materielle bzw. fassbare Natur- und Kulturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert für die Menschheit (u.a. Denkmäler, Stätten, Naturgebilde). Sie werden durch die Welterbekonvention der UNESCO geschützt. In der Schweiz gehören dreizehn Standorte zum Welterbe der UNESCO, neun davon wegen ihrer kulturellen Bedeutung (Weltkulturerbe) und vier wegen ihrer landschaftlichen Schönheit (Weltnaturerbe).

– Immaterielles Kulturerbe der UNESCO:
Lebendige kulturelle Ausdrucksformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und zum Identitätsgefühl einer Gemeinschaft beitragen. Beispiele hierfür sind Traditionen und Bräuche, darstellende Künste wie Musik, Tanz und Theater, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur oder Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Im Gegensatz zum materiellen Kulturerbe ist das immaterielle Kulturerbe nicht greifbar und verändert sich stetig. Sieben Schweizer Traditionen wurden bisher in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit (auf Französisch) eingetragen. Das immaterielle Kulturerbe wird durch das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes geschützt.

– UNESCO-Biosphärenreservate:
Schützenswerte charakteristische Kulturlandschaften, in welchen innovative Konzepte für die Erhaltung biologischer Vielfalt und traditioneller Kulturen zusammen mit einer wirtschaftlichen Entwicklung des Gebiets umgesetzt werden. Die Biosphärenreservate sollen als Modelle für eine sorgsame Bewirtschaftung des Lebensraums dienen. In der Schweiz gibt es zwei UNESCO-Biosphärenreservate.

UNESCO Unterwasser-Kulturerbe, UNESCO-Weltdokumentenerbe und UNESCO Global Geoparks